Freitag, 17. Mai 2019

Warum du eine professionelle Distanz gegenüber neuen und unbekannten Personen entwickeln solltest

Du kennst das bestimmt, du triffst jemanden und der oder die ist dir auf Anhieb sympathisch. Warum ist das so?
Es kann viele Gründe geben, doch nicht immer sind es wohlgemeinte. Wie kommt es nun dazu, dass dir manche Menschen auf Anhieb sympathisch sind und andere Menschen weniger? Wir gehen hier von dem sogenannten „fundamentalen Attributionsfehler“ aus, d.h. wir sind es gewohnt bzw. haben gelernt, menschliches Verhalten als Erklärung für ihre Persönlichkeit zu verstehen.
Ein Beispiel: Du kommst in ein Lokal und jemand ist gerade dabei für sich und seine Familie einen geeigneten Tisch zu finden. Dieser jemand weist lautstark, aber freundlich, gut für das gesamte Lokal hörbar, seine Familie ein und lächelt dabei. Was hältst du nun von diesen Menschen? Die meisten werden sagen, der ist nett, rücksichtsvoll und wirkt doch sehr freundlich. Wir schließen nun meist aufgrund dieses erlebten Verhaltens auf die gesamte Persönlichkeit dieses Menschen. Doch woher weiß ich, ob er tatsächlich immer so ist, wie er sich gerade gezeigt hat?
Ein anderes Beispiel: du sitzt in einem Zugabteil, jemand kommt den Gang entlang und stößt mit seinem Koffer gegen dein Bein. Er geht weiter, ohne sich zu entschuldigen. Ganz ehrlich:  Was denkst du über diese Person jetzt? Ist er dir sympathisch? Ist er dir unsympathisch? Schießt dir der Gedanke durch den Kopf „so ein Rüpel“? Oder vielleicht „alles klar, der hat sicher eilig“. Oder „Aha, vom Entschuldigen hat der auch noch nichts gehört“.
Nun kommst du in ein Meeting und triffst dort genau den „Bein-Rempler-Typen“. Er ist dein neuer Ansprechpartner für das große Sicherheits-Projekt, dass du gerade planst. Sag mal ehrlich, beeinflusst dich nun die Geschichte im Zug, im Einschätzen der Persönlichkeit des „Bein-Remplers“ oder nicht? Würdest du anders denken, wenn dir der Typ aus dem Lokal gegenübersitzen würde?
Ich erlebe sehr häufig, dass wir einen ersten Eindruck dauerhaft abspeichern und dieser uns begleitet, unabhängig davon, was man nach diesem ersten Zusammentreffen tut. Und genau darauf gilt es zu achten, wenn wir beruflich zum ersten Mal mit jemanden in Kontakt treten. Die erste Begegnung ist für den weiteren Verlauf einer Zusammenarbeit natürlich prägend, das ist klar. Doch gilt es einige Überlegungen anzustellen, wie ich denn nun abschätzen kann, welche Persönlichkeit mein Gegenüber nun tatsächlich hat.

Hier mein Tipp:
Am besten erstellt man sich am Beginn eines Gesprächs eine sogenannte „Sprech- und Gesprächsbaseline“ des Gegenübers. Indem man die Person genau beobachtet. Eine solche Sprech- und Gesprächsbaseline ist quasi das Normalverhalten, das Normalaussehen einer Person, die sich ungestresst zu einem Thema mit mir unterhält.

Man findet also heraus, wie sich diese Person bewegt, ist sie eher großgestisch wie zum Beispiel der Typ im Lokal oder eher stoisch und wirkt sehr ruhig. Was sagt dir das Gesicht also die Mimik, wenn die Person spricht, hebt das Gegenüber beim Betonen von bestimmten Worten die Augenbrauen, setzt die Person beim Sprechen immer wieder beide Hände ein, gibt es Wörter, Phrasen, Aussagen, die sich regelmäßig wiederholen? Dieses Bild speichere ich mir nun als Sprech- und Gesprächsbaseline ab.
Nun beginnt das eigentliche Gespräch, es geht um dein Projekt, dein Thema der Zusammenarbeit und nicht mehr darum aha, das ist der Beinrempler aus dem Zug. Du kannst nun auf Abweichungen dieses Normalverhaltens achten und bekommst heraus, wie sich diese Person nun in einem beruflichen Gespräch verhält.

Viel zu oft lassen wir uns vom ersten Eindruck leiten.
Der erste Eindruck ist natürlich wichtig. Im beruflichen Umfeld gehört zu einer professionellen Distanz auch, das Verhalten einer Person unbeeinflusst einzuschätzen und nicht von einer ersten Höflichkeit (wie die Person im Lokal) bzw. auch einem ersten unüberlegten Verhalten (wie der Beinrempler im Zug) dauerhaft auf die Persönlichkeit des anderen zu schließen.
 

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Marion Lercher - Expertin für Customer Care, Mimikanalyse und (non)verbale Kommunikation
 (Foto credits: Hans Scherhaufer)


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